Location: Startseite > NaturFreunde > Entwicklung des Leitgedanken
Sprach-Datei
Einstellungen
Schriftgroesse:
Kalender
<< Oktober >>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  1 2 3 Tag der Deutschen Einheit 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 Reformationstag  
News

Filmvorführung und Gespräch
Die Rote Linie - Widerstand im Hambacher Forst
Do., 14.11. um 18 Uhr
Schulzentrum Vogelsang
mit dem Aktivisten Michael Zobel


Letzte Änderung
21.10.2019, 10:56

Entwicklung des Leitgedanken

Die Entwicklung der Leitgedanken von der Gründung bis heute

 Als der Touristenverein „die Naturfreunde“ Ende des 19. Jahrhunderts in Wien gegründet wurde, ging es darum, dass Menschen, die hart für die Gesellschaft schufteten, auch am sozialen und kulturellen Leben teil haben können und dürfen und die für sie notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen selbst mitgestalten.

Der Leitgedanke der Naturfreundebewegung vom selbstgestalteten Beitrag zu gesellschaftlichen Veränderungen war geboren. Die Forderungen haben sich natürlich im Laufe der Zeit entwickelt.

 Getragen wurden die Gründer von der Zukunftsvision einer humanistischen Gesellschaft der sozialen Gleichberechtigung, in der Menschen und Gemeinwohl im Mittelpunkt zu stehen haben. Diese Vorstellung, die sich von der Menschenrechtserklärung der französischen Revolution inspirierte, hatte sich international in sozialistischen Gruppen verschiedener Länder im 19.Jahrhundert weiterentwickelt .

Zu dieser Zeit der Industrialisierung gab es für die Arbeiterschaft außer harte u. lange Arbeitszeiten ( auch für Kinder) weder Arbeitschutz, noch soziale Rechte, noch Urbaub oder geregelte Bildung. Das bißchen freie Zeit wurde oft mit Alkohol gefüllt – um die Not zu vergessen.

So wollte der Verein denjenigen die Möglichkeit geben, denen es sonst verwehrt war: gemeinsam die frische Luft und die Natur zu genießen: Die Natur sollte für alle frei zugänglich sein, daher der Erkennungsruf „Berg frei“. Außerdem sollten sich die sozial Ausgegrenzten für ihre Interessen bilden können.

Es war ein revolutionäres Projekt , das innerhalb von ca. 20 Jahren in mehreren europäischen Ländern (u.a. in Deutschland und Frankreich) Anklang fand ; dadurch wurde die Einstellung der Naturfreundebewegung noch stärker von der internationalen Solidarität geprägt.

Der 1.Weltkrieg, 1914-1918, erste industrialisierte Grausamkeit, die eine Verrohung der Gesellschaft mit sich brachte und einen hohen Verlust an Menschenleben, insbesondere an jungen Männern forderte, bremste die Entwicklung der Naturfreundebewegung stark, aber nicht die Ideen, vor allem die Forderung nach Frieden.

Viel stärker noch war - nur15 Jahre später- die verheerende Auswirkung der Nazi-Diktatur mit ihrem politischen Terror gegen Andersdenkenden, mit dem Verbot aller Organisationen, die sich nicht gleichschalten lassen wollten (darunter die Naturfreunde), sowie mit rassistischer Hetze und Enteignungen, mit Eroberungskriegen, Versklavung und Massenvernichtung in ganz Europa: Ein Verbrechen an die Menschlichkeit, das auch viele Naturfreunde getroffen hat.

So erstarkte nach Ende des 2.Weltkriegs die Naturfreundebewegung wieder mit ihren Forderungen gegen Krieg und Faschismus und für Völkerverständigung, insbesondere nach dem Abwurf der amerikanischen Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki in Japan.

Der Kalte Krieg, ein wirtschaftlicher, politischer und ideologischer Kampf zwischen den kapitalistischen und sozialistischen Staaten, der sofort bei Beendigung des 2. WKs begann, brachte in Deutschland die Trennung in 2 Staaten mit entgegengesetzten Systemen, die bis zur „Wiedervereinigung“ 1990 sich feindlich gegenüber standen. So wurden in dieser Zeit die Forderungen gegen die Remilitarisierung und atomare Aufrüstung West-Deutschlands, für mehr Demokratie und für eine wahrhafte Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit bis in die 1980er Jahren oft als Verrat diffamiert und mit „geht doch nach drüben“ beantwortet.

Mit zunehmendem Wohlstand u. dem erkämpften Recht auf bezahlten Urlaub erstarkte der Tourismus über die Grenzen, der sich langsam aber sicher zu einem der stärksten Wirtschaftszweige weltweit entwickelte. Um dessen schädigenden Auswirkungen auf die Umwelt und auf die zwischenmenschlichen Beziehungen entgegenzuwirken, machten sich die Naturfreunde für einen „sanften Tourismus“ stark, das heisst für den respektvollen Umgang mit Ressourcen (Wasser!), mit Umwelt (Luft/Landschaft statt Beton), mit Menschen und deren Kultur in den bereisten Ländern.

 Natürlich war der Tourismus nicht der Verursacher der Umweltverschmutzung in Deutschland, sondern der Mangel an Maßnahmen gegenüber der Industrie, was zu Umweltkatastrophen in den 70-80er Jahren führte: z.B. Luftverschmutzung/Sauerregen und Smog besonders in Industriezentren mit Folgen für die Gesundheit von Menschen und Wäldern, starke chemische Verschmutzung des Rheins und der Wupper. Die Naturfreunde gehörten zu den Kräften, die den Umweltschutz mitbewirkt haben.

Wurde die zivile Nutzung der Atomenergie nach dem Supergau des Atomkraftwerks Tschernobyl (Mitte der 80er Jahre) sehr kritisch beurteilt (andere „Pannen“ in europäischen Ländern und in den USA wurden damals nicht groß veröffentlicht), so wurde sie nach Fukushima 2011 klar abgelehnt : Es wurde für erneuerbare Energien geworben und die Naturfreundehaüser entsprechend vielfach renoviert.

Das neue Millenium ist gekennzeichnet durch die Globalisierung der Welt mit neuen Strukturen und Massenmedien, großangelegte Privatisierungen von Staatseigentum, Kommerzialisierung vieler gesellschaftlicher Bereiche , die Übermacht von internationalen Großkonzernen und Investoren in vielen Sektoren des gesellschaftlichen Lebens – Landwirtschaft, Nahrung, Gesundheit, Medien, Tourismus, Sicherheit usw. Diese Übermacht beeinflußt die Information und das Bewußtsein vieler Menschen.

Doch kritisches Denken wird immer wichtiger, denn immer deutlicher erscheint der Zusammenhang von übertriebenen Ressourcenverbrauch und Konsum in Industrieländern (als hätte die Menschheit drei Erden zur Verfügung) mit sozialer Ungleichheit, unfairer Verteilung der Ressourcen, mit Umweltschäden, Klimawandel, Flucht, Massensterben, Abbau der Schutzrechte, Demokratieabbau. Deshalb fordern die Naturfreunde ein nachhaltiges Leben zur Sicherung des Lebens für die nachkommenden Generationen und regen an, an einem neuen Gesellschaftsvertrag mit allen gleichgesinnten Kräften für eine sichere Zukunft zu arbeiten.

 Viele Probleme, mit denen die Naturfreunde in ihrer Geschichte konfrontiert wurden, sind leider noch nicht gelöst: deshalb bleiben diese Themen Grundlage und Bestandteile der Naturfreundearbeit. Die Formen des Zusammenlebens, der Information, der Bildung, die Arbeisverhältnisse haben sich stark verändert und verändern sich im Zuge der Digitalisierung schnell weiter. Diese Veränderungen prägen auch die Naturfreunde und sind zugleich große Herausforderungen.

 Zurecht wurde die NF-Bewegung als Spiegel der Zeit, als Motor von Veränderungen bezeichnet, nicht zuletzt aufgrund der Kreativität und Ausdauer vieler Mitglieder, auch wenn zeitweilig der Motor unter schwierigen Bedingungen schwächelte oder stillstehen mußte.

Waren die Gründer nicht die Vorreiter eines sozialen und friedlichen Europas, das wir jetzt dringend brauchen?